Padel-Trainer Jose Maria Landeta: „Ich möchte nichts anderes machen!“

Padel-Trainer Jose Maria Landeta: „Ich möchte nichts anderes machen!“

Großes Interview mit Jose Maria Landeta, unserem Cheftrainer am Padel-Standort im Prater: Wer ist Jose? Wo hat er seine große Padel-Leidenschaft entdeckt? Wie hat es ihn nach Wien verschlagen? All das und noch vieles mehr haben wir ihm in einem hochinteressanten Gespräch entlockt.

In den vergangenen Jahren kamen unsere begeisterten Spieler immer wieder in den Genuss von Padel-Einheiten mit großartigen spanischen Trainern. Diese waren jedoch nur vorübergehend in Wien. Mit Jose Maria Landeta ist das anders. Er hat seinen Lebensmittelpunkt von London nach Wien verlagert und steht uns daher längerfristig zur Verfügung. Aufgrund seiner Arbeit ist das Leistungsniveau am Padel-Standort Prater erheblich gestiegen. 

Doch wer ist Jose Maria Landeta eigentlich? Geboren in Argentinien, aufgewachsen in Spanien, genauer gesagt in der südspanischen Gemeinde Puerto de Santa Maria, welche sich in der Region Cadiz befindet. Ein Ort, der – wie es scheint - für Padel wie gemacht ist, stammt doch auch die derzeitige Nr. 1 der World Padel Tour, Juan Lebrón, von dort.

Sechs Jahre war Jose alt, als er sich zum ersten Mal auf einem Padel-Platz versucht hat. Equipment und Court sind aber nicht mit dem zu vergleichen, was wir heute so gewohnt sind. So spielte man damals noch mit Holzschlägern auf Betonplätzen. Zu jener Zeit war allerdings Tennis noch bekannter als Padel und so hatte bei ihm in der Kindheit Tennis Priorität. Erst mit etwa zwölf Jahren, als Padel in Spanien richtig groß wurde, verlagerte sich Joses Interesse von Tennis auf Padel. Es machte ihm mittlerweile mehr Spaß. Zudem war es auch leichter, Spielpartner zu finden. Die große Leidenschaft für Tennis ist aber bis heute geblieben. Und so ist er auch jetzt noch hin und wieder gemeinsam mit seinem Schwager auf einem Tennisplatz anzutreffen.
 
Was ist deiner Meinung nach das beste Alter, um mit Padel zu beginnen?
Sechs bis sieben Jahre ist das beste Alter, um mit dem Spielen zu beginnen. Sobald ein Kind koordinativ gut genug und vor allem stark genug ist, um einen Padel-Schläger gut in der Hand zu halten. Bei manchen ist dies schon mit fünf Jahren der Fall, bei anderen wieder erst mit sieben oder acht Jahren. Davor macht es mehr Sinn, mit Mini-Tennis zu beginnen, da für Kinder anfangs der Umgang mit einem Tennis-Racket aufgrund des geringeren Gewichts einfacher ist.

Welche Fähigkeiten sollte man noch mitbringen, um mit Padel zu beginnen? Was sollte man daneben zusätzlich noch trainieren?
Grundsätzlich hilft jede Racket-Sportart der anderen, da sie oft sehr ähnlich sind. Auch andere Sportarten, bei denen man etwas in der Hand hat - wie beispielsweise Golf, Hockey usw. – helfen. Auch jede Sportart, in der ein Ball involviert ist, weil eine gute Auge-Ball-Koordination eine sehr große Rolle spielt. So tun sich beispielsweise Fußballspieler relativ leicht beim Padel-Lernen.
Zusätzlich sind Koordinationsübungen und Reaktionsspiele sinnvoll. Hier gibt es auch ganz einfache Übungen für zu Hause. Ein Beispiel: Augen schließen, Partner wirft einen Ball, Augen öffnen und Ball fangen, kurz bevor er den Boden ein zweites Mal berührt. Generell ist es sehr wichtig, an den Beinen zu arbeiten. Sie sind am allerwichtigsten beim Padel - und nicht der Oberkörper wie Arme oder Schultern, wie man vermeintlich glauben könnte.

Wann und wo hast du angefangen, als Padel-Coach zu arbeiten?
Während meines Jus-Studiums an der Universität in Navarra im Norden Spaniens habe ich nebenbei angefangen, als Padel-Coach zu arbeiten - einfach nur, um Geld zu verdienen. Ich bin eher per Zufall dazu gekommen, als mein Partner und ich bei einem Turnier an der Universität mitgespielt haben. Zu dieser Zeit war Padel noch nicht sehr bekannt im Norden von Spanien. Die Popularität von Padel entwickelte sich von Süden nach Norden. Es war ein kleines Turnier mit zehn Paaren. Dem Klubbesitzer gefiel die Art, wie wir Padel spielten und so hat er uns angeboten, Kinder zu unterrichten. Er zahlte uns den zweiwöchigen nationalen Trainerkurs und dann begannen wir, am Abend nach der Uni zu unterrichten. So fing alles an und seit diesem Zeitpunkt habe ich nie wieder aufgehört, als Padel-Coach zu arbeiten. Anfangs nur in meiner Freizeit neben meinem Job als Anwalt, bis ich eines Tages ein Angebot aus London bekam, dort Vollzeit als Padel-Trainer zu arbeiten. Das war Anfang 2013 und seitdem ist Padel-Coach mein Traumjob. Ich möchte nichts anderes machen.

 
Was wolltest du als Kind werden?
Als Kind wollte ich professioneller Fußballspieler werden. Das war jedoch keine Option, da ich aus einer sehr traditionellen Familie stamme. Es war vorgesehen, dass ich studiere, was mir grundsätzlich auch leicht fiel. Um dem Fußball nahe zu sein, machte ich den Master in Sportrecht und arbeitete drei Jahre als Anwalt in einem Fußballklub in Madrid.

Du organisierst auch Padel-Reisen bzw. Padel-Trainingscamps über deine Plattform „Padel Escapes“. Wann und wie bist du auf diese Idee gekommen? Wie sind deine ersten Erfahrungen damit? Eigentlich war das die Idee meiner Frau. In London sind Golf- und Tennis-Reisen nach Spanien sehr populär. Eines Tages haben mich einige Spieler in meinem Klub, für den ich in London gearbeitet habe, gefragt, ob ich nicht eine Padel-Reise für sie organisieren könnte. So organisierte ich an einem langen Wochenende ein Padel-Camp in Menorca - eine meiner Lieblings-Inseln, die ich sehr gut kenne. Das Feedback der Teilnehmer war umwerfend, alle hatten eine Menge Spaß und durch Mundpropaganda wurde die Nachfrage immer größer. Meine Frau hat mir dann vorgeschlagen, ob ich das Ganze nicht professionell angehen möchte. Es dauerte eine Weile, alles zu organisieren - angefangen von den Bewilligungen, Ausverhandeln von Kooperationen mit Klubs bzw. Hotels an unterschiedlichen interessanten Locations bis hin zur Webseite  www.padelescapes.com

Bei den Padel-Reisen handelt es sich jedoch nicht ausschließlich um Padel-Training, es ist vielmehr eine Mischung aus Padel und anderen Aktivitäten wie organisierte Ausflüge usw. Die erste offizielle Padel-Escapes-Reise fand dann schließlich 2018 statt. Im gleichen Jahr in dem wir dann auch von London nach Wien, in die Heimatstadt meiner Frau, gezogen sind.
Momentan bin ich bei fast allen meiner angebotenen Destinationen als Trainer und Reiseführer vor Ort selbst mit dabei, außer in Dubai. Da kenne ich einen sehr guten Klub und einen Trainer, dem ich voll vertraue. Die Teilnehmer an den bisherigen Padel-Escapes-Reisen stammen aus verschiedenen Ländern Europas, hauptsächlich aus Belgien, Schweden, Italien und verständlicherweise Großbritannien. Grundsätzlich kann jeder daran teilnehmen - unabhängig vom Spielniveau. Dabei gibt es die Möglichkeit, sich von mir mit einer eigenen Gruppe eine private Reise organisieren zu lassen oder eines der auf meiner Homepage angebotenen Packages zu buchen.
 


Hast du jemals darüber nachgedacht, auf der World Padel Tour zu spielen?
Die World Padel Tour war nie eine wirkliche Option für mich. Bevor ich mit meinem Studium begann, habe ich Padel nie richtig ernst genommen. Ich habe lediglich an einigen regionalen Turnieren in Spanien teilgenommen. Als ich dann realisiert habe, ein gutes Level erreicht zu haben, war es eigentlich schon zu spät und nicht mehr wert, das Ganze professionell anzugehen. Ich fühlte mich zu weit weg vom Level der Topspieler. Mit der Erkenntnis, es nicht bis nach vorne schaffen zu können, wollte ich es nicht machen.

Wie denkst du über ein „World Padel Tour“-Event in Österreich? Hältst du so etwas für möglich?
Es dreht sich eigentlich alles nur ums Geld. Wenn genug Geld da ist, um es zu veranstalten, wenn du einen großen Sponsor hast, dann kann man es machen. Das Zuschauer-Interesse in Österreich ist mittlerweile sicher groß genug, nachdem der Sport in Österreich in den letzten beiden Jahren sehr schnell gewachsen ist. Ein paar hundert Zuschauer würden sich da schon ausgehen. Wien hat jedenfalls einige tolle Locations zu bieten, an denen man so ein Event austragen könnte. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass es das eines Tages auch in Österreich geben wird.

Du hast einige Jahre in London gelebt. Was denkst du über die Padel-Community dort bzw. im Vergleich zu Österreich?
2013, als ich nach London kam, wusste noch niemand so genau, was Padel eigentlich ist. Am Anfang war es sehr schwierig. Aber nun ist es geschafft und der britische Tennisverband hat Padel offiziell anerkannt. Padel in Großbritannien ist hauptsächlich durch privates Investment gewachsen. Jetzt gibt es viel mehr Plätze und aktive Spieler. Eine ähnliche Entwicklung kann man nun auch in Österreich beobachten. Die Nachfrage wächst und da ist jedenfalls Bedarf für noch mehr Plätze.
 
Vor kurzem hast du deinen ersten Padel-Instruktor-Lehrgang in Wien abgehalten. Was denkst du über die Teilnehmer und das Niveau?
Grundsätzlich muss man sagen, dass es große Unterschiede zu den Ausbildungskursen in Spanien gibt. In Spanien ist das Niveau in den Kursen sehr, sehr hoch. Die Teilnehmer wollen Trainer werden und damit Geld verdienen. Im Gegensatz dazu nahmen in Österreich - aber auch in den Kursen, die ich in London abgehalten habe - einige Spieler am Lehrgang teil, die erst vor kurzem mit dem Spielen begonnen oder ein mittleres Spielniveau haben. Sie wollten teilweise einfach das eigene Spiel verbessern und gar nicht unbedingt als Trainer arbeiten. Das ist eigentlich nicht die grundsätzliche Idee dieser Ausbildung. In Österreich war aber die Hälfte der Gruppe, welche den Kurs absolviert hat, bereits ausgebildete Tennistrainer. Das hilft natürlich, denn die Coaching-Fähigkeiten sind bei den beiden Sportarten sehr ähnlich. Man muss sich nur auf die Spezialitäten von Padel und die Unterschiede zwischen Padel und Tennis konzentrieren. Einige Teilnehmer waren sehr ambitioniert und wollen Padel auch anderen beibringen. Um Padel für Anfänger zu unterrichten, reicht das vorhandene Level. Der Level-1-Kurs fokussiert auf das Unterrichten von Anfängern, das Erlernen der Grundtechnik und die Unterschiede zum Tennis. 
 
Wie denkst du über die internationale Entwicklung von Padel?
In Amerika gibt es aufgrund der vielen dort lebenden Argentinier vor allem in Florida eine große Padel-Community, ebenso in Kalifornien. Aber auch in Texas wächst Padel. In Europa kann man derzeit ein großes Wachstum in so gut wie allen Ländern erkennen, allen voran in Italien, den Niederlanden, Belgien und Schweden. Vor zehn Jahren gab es Padel nur in Spanien, Frankreich und Portugal. Das Gute ist, dass jeder - ganz egal, welches Spielniveau - Spaß an diesem Sport haben kann, ganz im Gegensatz zu Tennis.
 
Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Ich möchte definitiv in Wien bleiben. Es gibt viel Arbeit und ich möchte bei der Entwicklung und beim Wachstum von Padel in Österreich mithelfen. Mein Fokus liegt definitiv im Padel-Coaching. Die Organisation von Padel Reisen kommt nebenbei dazu.
 

Danke für das Gespräch!

Jose Maria Landeta ist also gekommen, um zu bleiben und das freut uns sehr!
  

Wordrap:

Schnitzel oder Paella? Schnitzel

Berge oder Meer? Meer (noch lieber See)

Liebster Padel Spieler auf der World Padel Tour? Bela – „the King“

Erster Padel-Schläger? Ein Holzschläger von der Marke Marcraft (existiert heute nicht mehr)

Erstes Padel-Turnier? In Andalusien mit 13 Jahren (regionales Bezirks-Turnier)
 
Wien oder Cadiz? Cadiz

Vorbild? Rafa Nadal

Das Beste an meinem Job? Zu sehen, wenn Spieler sich verbessern und auch noch Spaß dabei haben

Mein unwichtigstes Talent? Gitarre spielen

Größtes Laster? Junk Food

 Liebstes deutsches/österreichisches Wort? Scheiße

Vor 8 Monate erstellt